Ein Freund der schönen Künste


Die Walnuss ist körperliche und geistige Nahrung zugleich!

Für uns ist es ganz selbstverständlich, Walnüsse zu essen: im Laden erhalten wir das ganze Jahr über den gesunden Snack aus Kalifornien. Doch die Walnuss, bei uns aufgrund der Temperaturen eher als Hausbaum denn als Einnahmequelle populär, war nicht immer so leicht verfügbar - und deshalb umso kostbarer. Die Wertschätzung, die die köstliche Nuss seit Jahrhunderten bei uns und in aller Welt hat, zeigt sich daher auch in Kunst und Literatur. Wir haben Ihnen einige Beispiele herausgesucht, an denen Sie eine ganz neue, kulturelle Seite unserer geschätzten Nuss kennenlernen können!


Gebrüder Grimm

Doppelporträt der Brüder Wilhelm Grimm (links) und Jacob Grimm von Elisabeth Maria Anna Jerichau-Baumann, 1855

Doppelporträt der Brüder Wilhelm Grimm (links)
und Jacob Grimm von Elisabeth Maria Anna
Jerichau-Baumann, 1855
Literatur: Der verborgene Zauber der Märchen-Nüsse

Märchen sind seit jeher eine Literaturform, die ganz eng mit dem Alltagsleben der Menschen verbunden ist und in der man viel über deren Wünsche, Werte und Gebräuche erfahren kann. Im Märchen versteckt die Walnuss – wie auch im wahren Leben – einen ganz besonderen Kern. Sie steht als Symbol für einen wertvollen Inhalt, für den verborgenen und göttlichen Kern der Welt. Springt die Walnuss auf, bringt ihr Inneres meist die entscheidende Wendung zum Guten hin und hilft, dass sich Prinz oder Prinzessin für den richtigen, den wahren Partner entscheiden.

Die bekanntesten Märchen, die der Gebrüder Grimm, sind voll von Zaubernüssen. In „Vom klugen Schneiderlein“ steht die „welsche Nuss“, wie die Walnuss aufgrund ihrer damaligen Herkunft heißt („Welsch“ stand damals für „keltisch“, was wiederum alles Fremdartige bezeichnete – und vieles, was den Leuten „welsch“ vorkam, kam damals aus den romanischen Ländern, zu dieser Zeit eben auch die Walnuss. Daher hat die Walnuss, die welsche Nuss, ihren heutigen Namen.), für Geduld, Beharrlichkeit und Klugheit. Der Titelheld überlistet den bösen Bären, indem er selbst Nüsse knackt, das Pelztier auffordert, es ihm gleichzutun, und ihm stattdessen aber Wackersteine gibt, die dieses natürlich niemals öffnen kann. So muss der Bär den Schneider ziehen lassen, und der kann die Königstochter heiraten. Nüsse knacken eben nur die Schlauen!

Im „Singenden, klingenden Bäumchen“ wächst aus der Nuss ein großer Nussbaum, der die Königstochter und ihren Bräutigam nach der Überwindung von vielen Gefahren endgültig vor dem Ertrinken bewahrt. Diese finale Rettung weist auf die göttliche Seite der Walnuss hin, auf die wir später genauer eingehen.

Allerleirauh

„Allerleirauh“ von Otto Ubbelode

„Allerleirauh“ von Otto Ubbelode
Die ganz „klassische“ Verwendung der Walnuss im Märchen findet sich in „Allerleirauh“. Die Königstocher, durch widrige Umstände zur Magd geworden, verbirgt in drei Nüssen ihre drei schönsten Kleider: eines so golden wie die Sonne, eines so silbern wie der Mond und eins so glänzend wie die Sterne. Mit diesen Roben gelingt es ihr, einen König auf ihre wahre Herkunft hinzuweisen, so dass er sie zu seiner Braut macht. Hier symbolisieren die Walnüsse Zauber und Liebesglück. Ihr wertvoller Inhalt macht die Menschen glücklich. Ist das nicht heute noch so?

Drei verborgene Kleider in drei Walnüssen spielen auch in „Der Eisenofen“ eine entscheidende Rolle; und auch hier gelingt es der richtigen Braut, mit den Zauberkleidern die falsche auszustechen. Die Dreizahl hat ebenfalls einen hohen symbolischen Wert – sie repräsentiert alles Göttliche und Vollkommene. Daher sind in den meisten Märchen immer gleich drei Walnüsse vertreten.

Selbstverständlich gibt es von vielen anderen Schriftstellern noch jede Menge weiterer Märchen, in denen Walnüsse die Menschen verzaubern, sie mit ihrem einzigartigen Kern auf den rechten Pfad bringen und ihnen Glück, Wohlergehen und Liebe bringen! Und auch heute ist es noch eine gute Idee, täglich ein paar Walnüsse zu knacken – selbst wenn deshalb vermutlich nicht gleich ein Prinz vor der Tür steht.

Lust auf eine kleine Märchenstunde? Die Links zu den Märchen finden Sie am Ende des Artikels.


Stillleben: Die geadelte Walnuss

Qualitätskontrolle

Georg Flegel, Pfirsichzweig, Hessisches Landesmuseum, um 1630

Georg Flegel, Pfirsichzweig,
Hessisches Landesmuseum, um 1630
In der Kunst stehen Lebensmittel besonders in Stillleben im Fokus – und da darf die Walnuss natürlich nicht fehlen! Sie hat von jeher ihren festen Platz im Stillleben, das vor allem in den Niederlanden zwischen 1600 und 1770 seine Blütezeit erlebte. Damals war das Land eine einflussreiche Handelsmacht, und wohlhabende Kaufleute demonstrierten auf den von ihnen in Auftrag gegebenen Gemälden ihren Wohlstand und ihren sozialen Stand. Daher sind auf den damals entstandenen Stillleben teure Blumen, kostbare Gegenstände und Gefäße sowie erlesene Köstlichkeiten - wie beispielsweise Walnüsse - abgebildet, die sich nicht jeder leisten konnte.

Gleichzeitig waren die dargestellten Objekte im calvinistisch-protestantischen Holland von religiöser Symbolik aufgeladen und vermitteln damit verschlüsselte Botschaften. Die Walnuss wurde als Sinnbild für Christus betrachtet: Die grüne Hülle repräsentiert das Fleisch, die harte Schale das Kreuz und der Kern die Leben gebende Natur des Erlösers, die Seele. Eine geöffnete Nuss hingegen symbolisiert Vergänglichkeit und enthält eine Passionsbotschaft: die (menschliche) Hülle muss zerbrechen, um das göttliche Innere offen zu legen.

Noch heute ist die Walnuss eines unserer wertvollsten Lebensmittel – auch wenn die Holländer damals noch wenig über ihre wahren Werte, die gesunden Inhaltsstoffe, wussten. Und glücklicherweise sind kalifornische Walnüsse heute keine sündhaft teure Delikatesse mehr, sondern für jedermann erschwinglich!


Mehr Walnüsse in der Kunst

Die Walnuss und ihr Stellenwert waren also schon unseren Vorfahren wohl bekannt – zumindest das leckere Aroma und die Einzigartigkeit der Walnuss. Wir haben Ihnen einige schöne Beispiele aus Kunst und Literatur der letzten Jahrhunderte vorgestellt. Vielleicht ist Ihnen beim Lesen aber auch eine andere künstlerische Anerkennung der Walnuss eingefallen. Wir freuen uns, wenn Sie es uns diese mitteilen, damit wir unsere Sammlung erweitern können! Schicken Sie uns einfach eine Mail an walnuss@fleishmaneurope.com.


Links zu den Märchen:
Das singende springende Löweneckerchen
Der Eisenofen
Allerleirauh
Vom klugen Schneiderlein